GT Radial Adventuro MT
Ausbau,  Technische Details

VW Crafter Offroadreifen

Hier erklären wir, wie wir für unseren VW Crafter Offroadreifen gefunden haben und was alles noch dazu nötig war und wie wir es gemacht haben.

Zu aller Erst stellt sich die Frage, warum überhaupt neue Reifen, wo die vorhandenen doch noch gar nicht so alt und das Profil noch mehr als ausreichend vorhanden war. Des Weiteren waren es auch noch Winterreifen. Und zwar so richtige, mit dreizackigem Berg und Schneeflocke, nicht bloß M+S. Aber sind wir ganz ehrlich, das Auge fährt ja schon mit und die „glatten“ Reifen haben nicht so viel für die Optik getan, wo doch soviel vorher für die Selbige getan wurde.

Also, der erste Punkt hatte uns schon abgeholt. Wir besorgen uns der Optik wegen schon mal „nen netten Schluppen“.

Die Recherche

Es ging also ans recherchieren…was wäre ein geeigneter Reifen? Welche Dimensionen dürfen/können wir fahren? Wer ist ein geeigneter Hersteller? Wollen wir zusätzliches Geld für Felgen ausgeben? Was gibt es für Felgen, die dann den passenden Lastindex haben und uns sowohl optisch, als auch vom finanziellen gefallen?

Wir wurden sehr schnell fündig und bekamen einen doch sehr kleinen Überblick über die gängigen Modelle. Zugegeben, die Rad-/Reifenkombination sieht echt schnittig aus und macht einen schmalen Fuß, aber so ziemlich jeder zweite auf „Offroad“ getrimmte Van fährt mit diesen Reifen und die mit Geld auch noch mit den Felgen. Die Rede ist von den Delta-Felgen, die echt stark aussehen, in Kombination mit dem BF Goodrich AT. Aber wie schon erwähnt, die Reifen sind sehr verbreitet und gerade deshalb durfte auf unseren Frodo Beule etwas anderes. In unserem Schweden-Urlaub entdeckten wir auf dem Parkplatz des Tiveden-Nationalparks einen Land Rover, welcher den Cooper Discoverer STT Pro drauf hatte. Dieser wurde auf der 16″ Felge gefahren, hatte unseren Lastindex und sieht einfach super schick aus. Wir sahen ihn vorher noch nicht auf irgendeinem anderen Van, von daher sollte dieser Reifen unser neues Objekt der Begierde werden.

Nach tagelanger Suche im Netz fanden wir schlussendlich heraus, zur Zeit nicht lieferbar. Das war ein herber Rückschlag, aber angefixt durch den Gedanken sich vielleicht doch einen MT-Reifen draufzuziehen, eröffneten sich ein paar neue Möglichkeiten. Zusätzlich gefiel mir der Gedanke, die bereits vorhandene Stahlfelge zu verwenden, also sollten unsere neuen Reifen in 16″ sein. Wir wollten nicht extra das Geld in die Hand nehmen und uns neue Felge kaufen. Wir benötigen das Geld ja schließlich für unseren großen Trip.

Welcher Reifen es dann wurde

Mit der genauen Vorstellung, welche Dimensionen drauf sollten begaben wir uns auf die Suche nach AT-, bzw. MT-Reifen. Wir fanden bald den GT Radial Adventuro M/T, in den Maßen 235/85 R16 und dem Lastindex 120/116 Q. Ursprünglich hatten wir einen 235/65 R16 120/116 C drauf.

Kurze Erklärung

Die 235 ist die Reifenbreite, also die „Lauffläche“. Die 85 ist die Angabe der Seitenwandhöhe. Nicht etwa in Millimetern, sondern es sind Prozent 85% von der Lauffläche. R16 ist die Felgengröße (Durhmesser) in Zoll.

Rechenbeispiel: 235*0,65=152,75mm

Das bedeutet, wir haben eine Flanken-/Seitenwandhöhe von 152,75mm.

Bei dem neuen Reifen 235*0,65=199,75mm

Bedeutet, und das war noch ein sehr viel wichtiger Aspekt, wir haben mit diesen Reifen eine tatsächliche Höherlegung getätigt, von sage und schreibe 40mm. Die Reifen kosteten uns keine 500€ und dies erschien uns für die Höherlegung inklusive Reifen sehr fair.

Der Rattenschwanz

Zugegeben, das ist nicht alles was bei diesem Reifenwechsel gemacht werden muss. Es deutete sich ziemlich schnell an, dass noch so einiges auf uns wartet bis wir offieziell auf die Straße dürfen. Eben der ganze Rattenschwanz, der noch zu erledigen ist.

Nötige Änderungen

Als erstes viel auf, das bei vollem Einschlag die Reifen an den Innenseiten schleifen. Grundsatz für eine Eintragung ist: die Reifen müssen freigängig sein. Es gibt für diesen Fall zwei Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit wäre einen Lenkwinkelbegrenzer zu verbauen. Hierdurch wird verhindert, dass man den kompletten Lenkeinschlag hat und die Reifen so nicht mehr schleifen können. Im Prinzip eine tolle Sache, allerdings vergrößert sich damit der Wendekreis und das will man ja in Anbetracht der Größe des Wagens vermeiden. Variante Zwei, Spurplatten.

Hierbei besteht der Vorteil darin, dass man den kompletten Lenkeinschlag zur Verfügung hat, außerdem kommen die Räder weiter nach außen, was für zusätzliche Stabilität sorgt, da der Schwerpunkt des Fahrzeuges etwas nach oben verlagert wurde. Und wie immer ganz wichtig, die Optik. Wie schön so ein Auto doch aussieht, wenn die Räder mit dem Radkasten abschließen. Wir entschieden uns für 22mm Spurplatten. Bestellt haben wir 4 Stück (zwei vorn, zwei hinten) und bezahlten knappe 300€.

Die Montage

Die Montage der Spurplatten war relativ einfach. Die Spurplatten haben für den VW Crafter insgesamt zwölf Löcher, sechs mit und sechs ohne Gewinde. Zusätzlich wurden 24 Radbolzen geliefert. Die mitgelieferten Radbolzen sind dafür da um die Spurplatten an die Radnabe zu bringen und mit dem vom Hersteller angegebenen Drehmoment zu befestigen. Im Vorhinein gilt es aber zu prüfen, ob die originalen Radbolzen durch Felge und Spurplatte passen und hinten nicht rausgucken, da ansonsten die Felge nicht festgezogen werden kann.

Bei uns war genau dies der Fall, also mussten wir die originalen Radbolzen kürzen.

Nun schauten sie hinten nicht mehr zu weit raus und wir konnten die Felgen anbringen. Auch hier wieder auf das Drehmoment achten.

Die Tachoangleichung

Auf Grund des größeren Abrollumfanges der Reifen, haben wir auch eine andere Geschwindigkeit. Die Räder drehen sich noch immer gleich schnell, die zurückgelegte Strecke ist aber mehr, ergo fahren wir schneller, als das, was auf dem Tacho steht.

Bsp.: Ursprungsbereifung 235/65 R16 bringt einen Abrollumfang von 216,4 cm

Neue Bereifung 235/85 R16 bringt einen Abrollumfang von 245 cm

Dieser Umstand hat zur Folge, dass wir eine Abweichung von 12% haben. Wir fahren also 100 Km/h real, auf dem Tacho werden aber nur 88 Km/h angezeigt.

Andersherum wäre laut Gesetzgeber ok, so rum aber nicht. Außerdem schwinden auch die tatsächlich gefahrenen Kilometer und der Tacho-Kilometerstand stimmt dann auch nicht.

Um zu wissen ob du eine Tachoangleichung brauchst, kannst du auch vorher mal schauen. Hier ist der Umrechner.

Die Abnahme

So eine Änderung am Fahrwerk ist immer abnahmepflichtig, sogar Einzelabnahmepflichtig. Deshalb kann sie nur von einem „21er“ gemacht werden.

Unserem Prüfer haben bei der Abnahme die vom Hersteller der Spurplatten mitgelieferte TÜV-Bescheinigung (Teilegutachten), sowie die Bestätigung der Tachoangleichung gereicht. Er lief viel ums Auto und maß an den Rädern, wie weit sie raus stehen und wieviel Platz um die Reifen ist. Es gab noch eine Verwindungs- und Einfederprobe, dazu wurde auf einen Auffahrkeil gefahren (vorne links)

und dann wurde geschaut, wie weit er einfedert, sowohl vorne links, als auch hinten rechts. Zusätzlich wurden wir zu dritt aufs Heck gestellt und mussten wippen. Unser Frodo Beule hielt durch, die Federn und Dämpfer sind wohl noch gut in Schuss. Er machte noch diverse Bildchen und gab uns dann die ersehnten Zettel. Damit aber noch nicht genug, jetzt hieß es „unverzüglich“ einen Termin bei der Zulassungsstelle zu bekommen, denn solange die Reifen und Spurplatten nicht eingetragen sind, fährt man ohne Betriebserlaubnis, ergo auch ohne Versicherungsschutz. Eine Woche später hatten wir einen Termin.

Summa Summarum

Unser erklärtes Ziel das Auto kostengünstig höherlegen zu lassen, bzw. zu legen sieht unterm Strich nun wie folgt aus.

Reifen 448€

Spurplatten 313€

Tachoangleichung 189€

Abnahme 123€

Zulassungsstelle 11€

————————————-

unterm Strich 1084€

Ob das jetzt wirklich so günstig war, steht auf einem andern Blatt Papier, super sieht es alle mal aus und wir sind mit der Performance mega zufrieden. Fahreigenschaften sind bisher auch gut. Die Reifen sind nicht laut, laut Hersteller 72dB. Durch die Spurplatten ist auf jeden Fall der leicht erhöhte Schwerpunkt ausgeglichen worden und Spurtreue und -Stabilität ist auch gegeben. Zum Thema Spritverbrauch können wir nicht so richtig was sagen, da unsere „Tachoangleichung“ ein sehr teures Stück Papier war. Aber, wir sind mit ~50 Litern von Berlin nach Frankfurt am Main gefahren. Weiß nicht wieviel man sonst bräuchte, war unsere erste Fahrt dorthin.

Wir hoffen wir konnten euch in diesem Artikel ein kleinen Einblick in die Kosten, die Vor- und Nachteile von Reifenumrüstaktionen aufzeigen und euch ebenso etwas unterhalten. Wenn euch der Artikel gefallen hat, ihr Fragen oder konstruktive Kritik habt, lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Beste Grüße Vicky und Alex

*Werbung wegen Markennennung; alles selber bezahlt

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